Als Torte um die Welt

Dez 13, 2015
Torsten

Um eines klarzustellen – ich mag meinen Namen. Aber zum Reisen ist er unpraktisch. Ziemlich sogar. Egal wo ich auftauche, „Torsten“ erweist sich als Zungenbrecher und führt regelmäßig zu abenteuerlichen Ableitungen. >Tosstn< / >Trrrst< / >Drstn< und >Totan< sind nur vier von vielen Beispielen, mit denen ich immer wieder konfrontiert werde. Dagegen ist das H, welches mir in der geschriebenen Form gerne angedichtet wird, eine Lappalie.

Die phantasievollen Versuche sind oft lustig, können aber auch für reichlich Verwirrung sorgen. Ich erinnere mich an meine Ankunft in Peru. Ich war damals 21 Jahre alt und stand alleine auf dem internationalen Flughafen von Lima. Es war meine erste große Reise. Nach 25-stündiger Odyssee kam ich todmüde aus dem Sicherheitsbereich des Flughafens heraus. Ich sah mich (gefühlt) 100 Taxifahrern gegenüber stehen. Einer von ihnen sollte mich abholen, alle suchten ihre Kunden und riefen laut deren Namen aus. Stellt euch vor wie es sich anfühlt, wenn man übermüdet und voll von neuen Eindrücken noch die geistige Flexibilität aufbringen soll, >Dstn< als Torsten zu identifizieren und ins richtige Taxi zu steigen. Es sind Momente wie diese, in denen ich mir wünsche Max zu heißen…

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Richtig interessant wird es dann, wenn die Namensverwirrungen auf Gegenseitigkeit beruhen. Als ich vor kurzem einen Guide für den Corcovado-Nationalpark anheuerte, wurde mir am Telefon der Name einer Frau mitgeteilt. Zobeida (sprich: >Zorbeeda<) sollte es sein. So klar das Wort hier zu lesen ist kam es am Telefon leider nicht rüber. Es klang eher wie >Sobela<. Krampfhaft versuchte ich auf der 70-minütigen Bootsfahrt den Wortfetzen im Kopf zu behalten. Das gelang nur bedingt. Im Nationalpark angekommen begann dann die Suche nach dem richtigen Guide. Leider hatte auch die erwähnte Dame Schwierigkeiten mit meinem Namen. Und so irrten gleich zwei Verwirrte umher und brabbelten etwas wie >So…< / >To…>. Es dauerte ein wenig, bis wir uns fanden und sich ein Namensverständnis einstellte.

Mittlerweile gehe ich soweit, witzige Vergleiche anzubieten, um die Einprägsamkeit zu erhöhen. Meist warte ich etwas und beobachte die krampfhaften Versuche, meinen skandinavischen Namen richtig auszusprechen. Nachdem sich der erste Knoten in der Zunge meines Gegenübers gebildet hat, gebe ich eine Hilfestellung. So biete ich im Englischen den Vergleich mit einem Toast an (>Toasten<). Das funktioniert erstaunlich gut, hat aber den Nachteil, dass ich dadurch nicht selten einen (Spitz)Namen bekomme, den ich nicht mehr loswerde. Im Spanischen sieht die Sache nicht viel besser aus. Ich sage oft: „Torsten, como una torta.“ Das heißt soviel wie: „Torsten, so wie eine Torte.“ Und so reise ich als Toast und Torte um die Welt…

Auch als 'Torte' reist es sich gut. Humor, Kreativität und eine Priese Selbstironie helfen in vielen Fällen weiter.

Auch als ‚Torte‘ reist es sich gut. Humor, Kreativität und eine Priese Selbstironie helfen in vielen Fällen weiter.

Lassen wir das Thema des Nachnamens an dieser Stelle außen vor. Müßig zu erwähnen, dass auch >Weigel< für fragende Blicke sorgt. Immerhin habe ich keinen Umlaut in meinem Namen. Was denkt ihr, wie lange es dauert, einem Englischsprachigem etwa den Unterschied zwischen >Bürger< und >Burger< klarzumachen…

3 Comments. Leave new

Hey Torsten ohne H,

Ich kann deine Leiden sehr gut nachvollziehen, muss dir aber sagen, dass du noch Glück hast. In spanisch sprachigen Ländern mag es sein, dass ich mit Rouven (dort Ruben) besser davon komme als du. Da ich noch immer meinen Lebensmittelpunkt in Deutschland habe und hier in 90% der Fälle beim ersten Treffen als UWE registriert werde, (ist für das deutsche Gehör wohl noch am nächsten an Rouven) hast du mein Mitleid allerdings nur eingeschränkt ;)

Trotzdem noch viel Spaß lieber Trstn!

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Ich kenne den Spaß und stelle mich ein-, zwei-, vielleicht drei Mal als Meike vor. Nachdem daraus aber regelmäßig Mika wurde, habe ich mich irgendwann nur noch so genannt und war damit besser dran. Meike wird sonst generell zu Mike, Michael oder Meika. So ein kurzes E am Ende des Namens ist offensichtlich ziemlich verwirrend.

Ich wünsch dir viel Spaß auf deiner Reise und weitere lustige Erfahrungen!

Lg, Meike

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„Bürger“
„burrrger“
„Bürger!“
„börger?“
„BÜRGER!!“
„Burger..?“
:D :D :D

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