Mit dem Kajak in der Wildnis

Feb 09, 2015
Torsten

Ein Höhepunkt der Reise liegt wenige Tage zurück: Acht Tage lang erkundete ich im Seekajak den abgelegen und unbewohnten Südwesten Tasmaniens. Lest im Beitrag für National Geographic, was ich unterwegs erlebt habe: Mit dem Kajak in der Wildnis.

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Die zwei Meter hohe Dünung hob uns auf und ab. Ein Seeadler kreiste über unseren Köpfen und begutachtete unsere merkwürdige Formation aus der Luft. Es muss ein seltsames Bild gewesen sein: Fünf Seekajaks tanzten auf den Wellen, die zehn Paddler hatten Mühe, voranzukommen. An der Westseite der „Breaksea Islands“, einer kleinen Inselgruppe im tasmanischen Südwesten, ist der Mensch den Launen der Natur ausgesetzt. Über tausende Kilometer erstreckt sich der Ozean gen Westen, trifft erst in Argentinien wieder auf Festland. Ich drehte meinen Kopf in Richtung des offenen Meeres und spürte den scharfen Wind in meinem Gesicht.
Tasmanien liegt im Bereich der Westwinddrift. Die als „brüllenden Vierziger“ (roaring forties) bezeichneten Winde erreichen regelmäßig Sturmstärke und sorgen für wechselhaftes Wetter. Alle drei Stunden veröffentlicht die örtliche Wetterstation einen Lagebericht. Seit dem Jahr 2000 warnten 27 Prozent dieser Updates vor Starkwind, neunmal wurden Windgeschwindigkeiten der Orkanstärke registriert.

Die brüllenden Vierziger

„Das Wetter ist der entscheidende Faktor und hat uns schon einige schlaflose Nächte bereitet“, sagte mir Jake. Der 32-Jährige Guide leitete die Seekajakexpeditionstour in den tasmanischen Südwesten zusammen mit einer Kollegin. Acht Abenteuerlustige hörten auf ihr Kommando. Alle waren im Umgang mit Kajaks geübt und mit dem Leben in der Natur vertraut, doch keiner verfügte über Ortskenntnisse. „Outdoorerfahrung und körperliche Fitness sind Grundvoraussetzung für diese Tour. Um den Rest kümmern wir uns. Wir kennen geeignete Stellen zum Zelten und suchen die sicherste Route“, erklärte Jake. In unserem Fall war es ein Rundkurs durch die Buchten, Meeresarme und offenen Seeflächen des „Port-Davey-Marine-Reserve“.

Acht Tage lang waren wir in diesem, dem Südwest-Nationalpak zugehörigen, Schutzgebiet unterwegs. Fernab der Zivilisation und ohne Handyempfang erlebte ich ungefiltert die Launen und Schönheiten der Natur: Eindrucksvolle Regenschauer, starker Wind und hohe Wellen. Aber auch traumhafte Sonnenuntergänge, interessante Felsformationen und die Vielfalt der Flora und Fauna – es gibt etliche endemische Arten in dieser Region. „Ich habe den schönsten Arbeitsplatz der Welt“, lachte Tory, die zusammen mit Jake die Tour leitete. In der australischen Seekajakszene ist der Job heiß begehrt. Er ist anspruchsvoll und gut bezahlt. Nur die besten Guides haben eine Chance. Fehler dürfen nicht passieren, denn die nächste Stadt ist weit entfernt.

Wilder Südwesten

Der Südwesten Tasmaniens ist unberührt und abgelegen. Das Abenteuer beginnt bereits mit der Anreise: Es gibt keine Straßen, zu Fuß benötigt man sieben Tage, um in die Zivilisation zurückzukehren. Der 85 Kilometer lange „South Coast Track“ ist eine anspruchsvolle Wanderung. Schneller geht es mit dem Flugzeug. Eine kurze Schotterpiste in Melaleuca dient robusten Kleinflugzeugen als Landebahn. Allerdings: Geflogen werden kann nur bei gutem Wetter. Und das ist verhältnismäßig selten. Das spürten wir am eigenen Leib, als sich unser Rückflug um einen Tag verzögerte.
Der Trip in den Südwesten Tasmaniens hat maßgeblich dafür gesorgt, dass ich mich in die Insel verliebt habe. Selten war ich von einem Stückchen Erde derart fasziniert. Tasmanien taucht in der Liste der größten Inseln der Welt nur auf Rang 26 auf, ist kleiner als das Bundesland Bayern. Die Gegensätze sind es, welche diese Insel so interessant machen: Es gibt Gebirge und Regenwälder, malerische Strände und unzugängliche Küstenabschnitte. Knapp vier Wochen war ich auf Tasmanien unterwegs. Ich radelte in zehn Tagen die Ostküste, von Hobart nach Launceston, entlang, erkundete das Inland mit dem Mietwagen und begleitete die Tour in den Südwesten. Längst habe ich nicht alles gesehen. Ich werde wiederkommen.

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3 Comments. Leave new

Hallo Torsten
Wieder einmal gut getroffene Bilder. Schön. Bei einigen sieht man eure Anstrengung. Also fit muss man schon sein. Viel Spaß in deinem neuen Reiseabschnitt.
Lg Daniel

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Na dann eine gute Zeit miteinander in Patagonien!
Das Bild 3. Tag Wellen ist stark!
willi

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Hallo Torsten,
viele liebe Grüße auch an Deine „Reisebegleiter“ für die nächsten 3 Wochen!
Bitte teile ihnen mit: das Haus und die Autos stehen noch – es ist alles o.k.! Die Mäuse tanzen zwar auf den Tischen, aber sie haben uns versprochen, es nicht zu übertreiben.
Wir wünschen Euch unvergessliche Eindrücke und viele positive Erfahrungen! Ganz speziell für Dich: vor allem Gesundheit, damit die Erkältung Eure Beweglichkeit nicht ausbremst.
V.l.G. Fam. Heller

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