In luftigen Höhen + Videogruß

Dez 02, 2014
Torsten

Der dritte Beitrag für National Geographic thematisiert meine Erlebnisse in Südafrika und Lesotho.

In luftigen Höhen

Der Sturm begann nachts. Durch alle Ritzen unserer kleinen Hütte pfiff der Wind, brachte zum Klappern, was nicht niet- und nagelfest war. „Wenn es so weitergeht, dann hebt bald das Dach ab“, meint Martin, ein langjähriger Freund, der mich in Südafrika begleitete. Im Schein seiner Stirnlampe klemmte er Handtücher in den verzogenen Türrahmen. Strom gab es nicht. Auf dem Sanipass, auf rund 2870 Metern Höhe, wird um 22 Uhr das Dieselaggregat abgestellt. Spätestens dann ist es stockfinster. Nicht nur im Dorf, sondern auch in den Hütten, die zur Sani-Lodge gehören.

Am nächsten Morgen hatte der Wind nichts von seiner Intensität eingebüßt. Im Gegenteil. „In Böen über 100 km/h, Wetterlage unklar“, teilte man uns mit. Die Aussage unterstrich, was wir schon vermutet hatten – ein Aufstieg auf den Thabana Ntlenyana wäre unverantwortlich. Mit seinen 3482 Metern ist der Berg die höchste Erhebung südlich des Kilimandscharos. Er war unser erklärtes Ziel in den Drakensbergen, doch der Plan wurde – buchstäblich – vom Winde verweht.

„Dieser Teil Lesothos ist ein hartes Pflaster. Oft erlebt man hier mehrere Jahreszeiten an einem Tag“, gab uns Brian mit auf den Weg. Der gebürtige Südafrikaner leitet seit fünf Jahren die Lodge auf dem Pass und kümmert sich auch um soziale Belange: 27 der 77 Ortsansässigen sind mittlerweile im Betrieb angestellt, der Bau einer Schule und eines Krankenhauses sind angedacht. Den Bewohnern des Dorfes geht es verhältnismäßig gut. Wenige Kilometer weiter, östlich des Kotisephola-Passes, nahmen wir ein anderes Bild war. In einfachen Hütten müssen die Einheimischen den alpinen Bedingungen trotzen, Strom gibt es meist nicht und die traditionelle Kleidung wirkt nicht so, als könnte sie einem starken Regen- oder Schneeschauer standhalten. „Es ist schlecht, wenn der Umhang richtig nass wird.. Besser ist, man sucht sich vorher einen trockenen Platz“, erklärte mir Rethabile. Der 19-jährige Schäfer war einer der wenigen, der ein paar Brocken Englisch sprach. Mit allen anderen Einheimischen blieb es bei „Hand- und Fußkommunikationen“ und/sowie vielen Bildern.

Auch ohne die Besteigung des Thabana Ntlenyana wird uns Lesotho in besonderer Erinnerung bleiben. Dieses Königreich, umrahmt von Südafrika, verzaubert mit traumhaften Bergkulissen und regt, ob der sehr harten Lebensbedingungen, zum Nachdenken an.

‚Sturmspitze‘ in Lesotho

Zu Gipfelerfolgen kamen wir im Rahmen der 2. Weltreiseetappe dennoch: Nachdem wir von Durban aus über die Wildcoast nach Lesotho gereist waren, bestiegen wir – alternativ zum Thabana Ntlenyana – einen 3230 Meter hohen Berg, dessen Namen wir nicht in Erfahrung bringen konnten. Da der Wind erneut kräftig blies, tauften wir die Erhebung kurzerhand „Sturmspitze“. Wir setzten unsere Reise über Bloemfontein in die Karoo-Gegend fort. Dort bezwangen wir den Kompassberg (2504 Meter) über die ausgesetzte Nordwestflanke. Es folgten Klettereien bei Hermanus (Westkap-Provinz) und in der Kapstadt-Region.

Viel wichtiger, als die grandiosen Ausblicke und die Bewältigung der physischen Strapazen, war für uns die Tatsache, dass uns die Bergtouren in Regionen fernab des Massentourismus brachten. „Das ursprüngliche Afrika findet man nur abseits der geteerten Straßen“, sagte Hester, die zusammen mit ihrem Mann die Ganora-Farm unweit des Kompassberges bewirtschaftet. Nach insgesamt sechs Wochen in Afrika, davon drei in Südafrika, und knapp 7000 gereisten Kilometern kann ich diese Aussage guten Gewissens bestätigen. Speziell Südafrika wird mir als Land mit vielen Gesichtern in Erinnerung bleiben. Die Natur ist abwechslungsreich – es gibt wunderschöne Plätze, die es zu entdecken gilt. An vielen Stellen trafen wir zudem auf sehr gastfreundliche und aufgeschlossene Menschen, mit denen wir interessante Gespräche führten. Bei aller Faszination, die ein Südafrikabesuch auslösen kann, lassen sich die Schattenseiten nicht verbergen. Die sozialen Unterschiede im Land sind immens. Armut und Kriminalität sind Probleme, die wesentlich stärker ausgeprägt sind, als dies zum Beispiel in Namibia der Fall ist.

Was folgt, ist ein Sprung um mehr als 8700 Kilometer nach Osten. Von Kapstadt reise ich nach Perth und bin dann wieder auf mich alleine gestellt. Ich will die australische Westküste erkunden, bevor ich im Zug den Kontinent durchquere. Sofern der Plan aufgeht, erreiche ich Sydney zu Weihnachten. Spätestens dann gibt es auch einen neuen Beitrag.

national-geographic

 

Mit diesem Videogruß, aufgenommen gestern Abend vom Gipfel des ‚Lions Heads‘, verabschiede ich mich aus Afrika.

2 Comments. Leave new

Hester Steynberg
4. November 2017 15:46

Seems like you had an absolute wonderful experience! So glad you listened to the advise to go off the tarred roads!

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Hey Hester! That’s true… I still remind your statement: ‚You have to leave the paved tracks, to see the real Africa.‘
Hope, that you and JP are fine! Kind regards from Berlin

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