Im Beitrag vom 29. Oktober hatte ich dazu aufgerufen, mir Fragen zu Land & Leuten, aber auch zu meiner Tour zu schicken. Zehn Unklarheiten möchte ich nun beantworten.

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Ab und an muss man sich mal was gönnen. Das gilt auch für's Essen.

Ab und an muss man sich mal was gönnen. Das gilt auch für’s Essen.

1. Du hast grandiose Aus- und Einsichten genossen. Hast du keine Angst, nach sechs bis acht Wochen in ein ‚Loch‘ zu fallen, weil es einfach zu viele Eindrücke sind, die auf dich einstürzen?

Das ist tatsächlich eine reelle Gefahr. Ich versuche dem entgegenzusteuern, indem ich immer mal wieder Pausen einlege. Zum Beispiel war ich jetzt drei Nächte in Windhuk und habe meinen Bewegungsradius bewusst klein gehalten. Das hilft mir dabei, mich zu regenerieren und Kraft für das Kommende zu tanken.

2. Wie schaffst du es, deinen Wasservorrat bei den hohen Temperaturen in der Wüste frisch und relativ kühl zu halten?

Meistens hatte ich 15 bis 20 Liter Wasser, in Fünf-Liter-Kanistern, im Kofferraum. Derart abgepackt hält sich das Wasser eine ganze Weile. Kühl ist es allerdings nicht. Der Wunsch nach einem erfrischenden Schluck war zwar häufig da, konnte aber nur selten erfüllt werden. Umso größer war dann allerdings die Freude, wenn mal eine Tankstelle am Wegesrand lag. Ein kühler Eistee weckt die Lebensgeister.

3. Wie kommst du mit der Einsamkeit klar und wie gehst du mit Ängsten um, die man ja garantiert bekommt, wenn nachts ein Sturm aufzieht oder ähnliches.

Angst habe ich bisher noch keine gehabt. Ich fühle mich nach wie vor gut vorbereitet und kann auf einiges an Erfahrung zurückgreifen. In kritischen Situationen denke ich sehr rational und versuche die Emotionen auf Sparflamme zu halten. Das funktioniert (mittlerweile) ganz gut. Das Gefühl der Einsamkeit lässt sich hingegen nicht „wegdenken“. Ich habe keine Probleme damit, alleine zu sein. Aber es gibt Momente (auf dieser Reise bisher an einem Tag), da ist der „Wurm“ drin und die Gedanken fahren Achterbahn. Ich versuche dann, diesen Emotionen Raum zu geben und sie zu akzeptieren. Wenn man nicht mit aller Gewalt dagegen ankämpft (verdrängen) und sich nicht hineinsteigert, dann bessert sich die Situation meist zügig von selbst.

4. Wie ist das mit der Trinkwasserversorgung auf den Farmen und Lodges in der Wüste geregelt?

Das ist unterschiedlich. Meist werden Bohrlöcher angelegt, die oft tiefer als 100 Meter sind. Es gibt auch die Variante der Wasserrohre und (sehr selten) einer Gebirgsquelle.

Das Gelände der Namtibs-Lodge liegt nur wenige Kilometer östlich der Namib. Das Hauptwasserloch musste 120 Meter tief gebohrt werden.

Das Gelände der Namtib-Lodge liegt nur wenige Kilometer östlich der Namib. Das Hauptwasserloch musste 120 Meter tief gebohrt werden.

5. Welche Begegnung war für dich bisher die authentischste für Namibia, bzw. welche Begegnung spiegelt für dich das Land und seine Kultur am besten wider?

Jede Begegnung war auf ihre Weise spannend und einprägsam. Ich würde sagen, dass die Widerspieglung von Land und Kultur wie ein „Puzzle“ ist. Mit jeder Begegnung fügt sich ein Teilchen zum Gesamtverständnis des Landes mit all seinen Facetten und Eigenarten. Ich habe längst kein komplettes Bild bekommen, kann aber getrost behaupten, einige „Puzzleteile“ gesammelt zu haben.

6. Gibt es in Namibia irgendeine kulinarische Spezialität, die landestypisch ist und die du gekostet hast?

Ich weiß von keinen typisch-namibischen Spezialitäten, die über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind. Generell basiert die namibische Küche auf verschiedenen Einflüssen, etwa der deutschen und der südafrikanischen Küche. Antilope und Polenta stehen häufig auf der Speisekarte – beides habe ich gegessen.

7. Swakopmund war mal Teil einer deutschen Kolonie. Merkt man das an irgendeiner Stelle noch?

Ja, in Namibia lassen sich an vielen Stellen die Spuren der Kolonialzeit erleben. Nicht nur in Swakopmund. Deutlich wird das zum Beispiel bei Straßennamen, dem Baustil von Gebäuden aber auch beim Essen, etwa bei typisch deutschem Gebäck. Nicht zuletzt merkt man es an der Sprache: Deutsch wird, vor allem in den größeren Städten, oft gesprochen.

8. Wie kam deine Route zustande? Du hast zwar den südlichen Wendekreis als nördliche Begrenzung, aber da gibt es sicher noch so viele andere tolle Regionen. Wie bist du gerade auf die Ziele gekommen, die du in den nächsten Monaten sehen wirst?

Der konkrete Kurs ist keineswegs in Stein gemeißelt. Ich habe – nach intensiver Recherche – Eckpunkte gesetzt und gebe mir dann alle Freiheit der Welt, mich „auszutoben“. Denn die besten Tipps kommen meist von den Einheimischen und lassen sich im Vorfeld nur schwer planen. Ein Beispiel ist der Brandberg. Im Vorfeld der Reise hatte ich eine Besteigung als Ziel während meines Namibia-Aufenthaltes ausgegeben. Vor Ort habe ich mich aber umentschieden und stattdessen die Spitzkoppe in Angriff genommen.

9. Namibia ist ein Vielvölkerstaat. Wie viele gibt es in etwa?

Die genaue Zahl konnte ich nicht herausfinden. Fakt ist, dass Namibia ein multikulturelles Land ist. Die wichtigsten schwarzen Volksstämme sind die Ovambo (etwa 50 Prozent der Gesamtbevölkerung), Okavango (9 Prozent), Herero (7 Prozent), Damara (7 Prozent), Nama (5 Prozent), Caprivier (4 Prozent), San (3 Prozent) und Tswana (0,5 Prozent). Die Weißen machen etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Generell ist Namibia extrem dünn besiedelt: 2,2 Millionen Einwohner verteilen sich auf eine Fläche, die mehr als doppelt so groß ist wie Deutschland.

10. Man liest von rot-orangen Dünen. Ist das wirklich so und wie erklärt sich das?

Ja, das ist wirklich so. Die roten Dünen findet man vor allem in den Wüstengebieten, die sich relativ weit im Landesinneren befinden. Kurz gesagt werden die Sandkörner auf ihrer ‚Reise‘ von einer dünnen Eisenoxidschicht umhüllt, welche die Färbung bewirkt.

Die Rottöne kommen besonders morgens und abends zur Geltung.

Die Rottöne kommen besonders morgens und abends zur Geltung.