Mit dem Beginn des zweiten Reiseabschnittes habe ich eine mehrteilige Serie eingeführt: Regelmäßig stelle ich Personen vor, die mir auf meiner Tour begegnet sind und die mich mit ihrer (Lebens)Geschichte faszinieren. Im vierten Teil stelle ich Tory vor. Ich lernte sie auf der Seekajakexpedition in den tasmanischen Südwesten kennen.

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Tory aus Hobart.

Tory aus Hobart.

Alles hörte auf ihr Kommando. Tory leitete die Seekajakexpedition und trug die Verantwortung für die gesamte Gruppe. Ein anspruchsvoller Job – und ein begehrter dazu. Aus ganz Australien bewerben sich die Interessenten, eine Chance haben nur die Besten. Tory gehört dazu. Die 28-Jährige kommt ursprünglich aus Brisbane und lebt seit drei Jahren auf der Insel. „Hier fühle ich mich wohl.“ Reisen und Touren in die Wildnis gehören für Tory seit langem zum Lebensinhalt. Durchaus nicht selbstverständlich.  „In meinen Kindertagen war ich kaum mit dem Zelt unterwegs. Das gehörte in meiner Familie nicht dazu.“ Über die Jahre entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Natur und den (Extrem)Sport. Tory arbeitete unter anderem als Skilehrerin in Japan und als Nationalparkaufseherin in Kanada. Als ausgebildete Kajak- und Wildwasserinstruktorin verdient sie sich ihren Lebensunterhalt, hat darüber hinaus die Qualifikation, Expeditionen zu leiten. In ihrer Freizeit geht sie gerne surfen und wandern.

Bleibt da noch Zeit für Familie und Freunde? „Zugegeben, in den Sommermonaten habe ich ein stressiges Leben und bin viel unterwegs.“ Sie formuliert das als Aussage und nicht als Klage. Es ist die Leidenschaft, welche ihr die Kraft verleiht.

Mit eben diesem Enthusiasmus leitete sie die Expedition in den tasmanischen Südwesten, an der ich teilnahm. Ob bei der Analyse der Wetterdaten, dem Festlegen der Route oder bei der Zubereitung des abendlichen Mahls – sie verdiente sich die Anerkennung der Teilnehmer.

Tory in ihrem Element.

Tory in ihrem Element.

Allerdings: Die große Erfahrung hat ihren Preis. Ich hatte Mühe mitzuschreiben, als sie aufzählte, welche Knochen sie sich schon gebrochen hat. Mit ihren Geschichten über brenzlige Situationen könnte sie wahrscheinlich ein Buch füllen. „Diese Extreme brauche ich eigentlich nicht mehr“, stellte sie fest und fügte hinzu: „Ich könnte mir vorstellen, zeitnah ein Studium zu beginnen.“ Meeresbiologie oder Umweltschutz. Es wäre ihre zweite universitäre Ausbildung. Einen Bachelor-Abschluss in ‚Business & Arts‘ hat sie schon in der Tasche. Doch Tory ohne Abenteuer? Das wird es wohl nicht geben. Auch im Falle eines weiteren Studiums nicht. Denn der Bewegungs- und Entdeckerdrang sind tief in ihr verwurzelt.


Im ersten Teil der Serie habe ich Peter aus Zug (Schweiz) vorgestellt, der nach einer Nahtoderfahrung seine Prioritäten änderte. Es folgten ein Portrait über Jeff, einem jungen Piloten, der durch das Land tingelt, um Flugerfahrung zu sammeln und Wayne, einem Lkw-Fahrer.