Mit dem Beginn des zweiten Reiseabschnittes habe ich eine mehrteilige Serie eingeführt: Regelmäßig stelle ich Personen vor, die mir auf meiner Tour begegnet sind und die mich mit ihrer (Lebens)Geschichte faszinieren. Nach einer längeren Pause geht es mit Wayne weiter. Der 48-Jährige steuert besonders lange Lkw. Ich habe ihn in Westaustralien auf einem Parkplatz getroffen.

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Wayne aus Perth.

Wayne aus Perth.

„Moment noch“, ruft mir Wayne entgegen und knallt die Tür vor meiner Nase zu. Ein wenig irritiert stehe ich im Schatten der riesigen Zugmaschine und frage mich, ob es überhaupt zu einem Gespräch kommen wird. Denn der „Begrüßung“ zu urteilen nach, komme ich ungelegen. Dabei wollte ich doch nur ein paar Fragen stellen.

Wenig später öffnet sich die Tür und Wayne streckt seinen Kopf heraus. „Komm hoch“, sagt er und winkt mich zu sich herauf. Drei Stufen später sitze ich im Cockpit eines riesigen Lkw. Neben mir sitzt Wayne. Braungebrannt und tätowiert, einige Zähne fehlen ihm und zuviel Bewegung hat er augenscheinlich auch nicht. Es riecht nach Cola und Zigarettenrauch. „Sorry“, sagt er und führt aus: „Ich war eben nackt. Das wollte ich dir nicht antun.“ Sein herzhaftes Lachen steckt an.

Wayne steuert besonders lange Lkw, so genannte „Road Trains“. Diese bis zu 53,5 Meter langen Lastwagen-Kombinationen sind in Australien oft zu sehen. „Was ihr in Europa über die Schiene verschickt, transportieren wir hier auf der Straße.“ Wayne hat ein Gestängesystem für eine Flüssiggasanlage geladen. 85 Tonnen zieht er durch die Gegend. 36,5 Meter ist sein Gespann lang. „Man benötigt eine spezielle Lizenz, um diese Lkw fahren zu können“, erklärt er.

Das Gehalt ist gut, doch der Preis ist hoch. Solche Fahrzeuge zu fahren bedeutet, lange unterwegs zu sein – oft ist Wayne zwei Wochen am Stück auf Tour. Seine Ehe hat das nicht ausgehalten, viele Freunde hat er auch nicht. „Ja. Manchmal ist es hart“, sagt er  und runzelt die Stirn. „Aber was soll ich machen? Ich habe nichts anderes gelernt und bin seit 28 Jahren auf der Straße unterwegs.“ Daraufhin kehrt Stille ein. Dann piept der Bordcomputer und ein roter Schriftzug blinkt auf. „Noch zehn Minuten Pause“, stellt Wayne fest und tippt auf das Display. Alle Informationen kommen aus der Zentrale, per Satellit, direkt auf den kleinen Monitor. Ein Computer steuert den Ablauf, berechnet Tankintervalle und Pausenzeiten. „Viel denken muss ich nicht. Von mir wird Geschick beim Fahren verlangt.“

Für Australien sind Menschen wie Wayne wichtig. „Wir halten die Wirtschaft am Laufen“, erklärt er stolz. Außerdem genieße er die Freiheit: „Wo kann man denn sonst nackt am Arbeitsplatz sitzen?“


Im ersten Teil der Serie habe ich Peter aus Zug (Schweiz) vorgestellt, der nach einer Nahtoderfahrung seine Prioritäten änderte. Es folgte ein Portrait über Jeff, einem jungen Piloten, der durch das Land tingelt, um Flugerfahrung zu sammeln.