Es war Liebe auf den ersten Blick. Wie von Geisterhand gesteuert drehten sich unsere Köpfe nach rechts. Was wir dort sahen, gefiel uns so sehr, dass wir unsere Fahrt in Richtung Kapstadt stoppten und uns eine Unterkunft suchten. „Ob man da hinaufklettern kann? Keine Ahnung! Aber es gibt wunderschöne Wanderwege, die um den Berg herumführen“, versuchte man uns im Hotel noch von unserem Plan abzubringen.

Doch wir waren fest entschlossen, denn schließlich befanden sich zwei imposante Felsen direkt vor unserer Nase. Wir erhofften uns schöne Blicke auf die Küste und interessante Kletterpassagen. Wir sollten nicht enttäuscht werden, doch erstmal sah es ganz und gar nicht gut aus.

„Verdammt, da oben sitzen Paviane“, ließ ich auf halbem Weg zur Felsflanke verlauten. Mit diesen Tieren ist nicht zu spaßen. Die Südafrikaner haben zu Recht großen Respekt vor den „baboons“, wie sie im Englischen heißen. Mit ihren messerscharfen Zähnen gelten sie als gefährliche Raubtiere. Menschen greifen sie zwar nur selten an, wenn aber doch, dann hat man ein Problem. Darauf wollten wir es nicht ankommen lassen. Erst beobachteten wir, dann machten wir einen großen Bogen um das Gebiet der Affen. Als wir uns schon fast damit abgefunden hatten, doch auf einem der uns empfohlenen Wanderwege zu landen, entdeckten wir eine schöne Route, die uns direkt auf den kleineren der beiden Felsen führen sollte.

Zug um Zug schoben wir uns die Wand empor. Ich kletterte voraus, Martin folgte mir. Einen Blick für die schöne Umgebung hatte ich selten. Zu sehr war ich damit beschäftigt, mir zu überlegen, in welche Spalte ich meine Hände stecke. Wenige Stunden zuvor hatten wir eine Kapkobra – die bisher erste und einzige Schlange auf meiner Reise – gesehen und gingen daher sehr vorsichtig ins Gelände. Phasenweise erinnernte mich die Kletterei an mein Abenteuer auf der Spitzkoppe. Die Route war steil und oft ausgesetzt. Deswegen kletterten wir sehr konzentriert und ließen uns viel Zeit.

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Nach zwei Stunden körperlicher Schinderei klatschen unsere Handflächen ineinander. Ein Jubelschrei. Der Gipfel. Ein atemberaubender Blick auf den Ozean und die untergehende Sonne entlohnten uns für die Strapazen. Noch glücklicher waren wir, als wir einen leichteren Weg nach unten erspähten. Ohne anspruchsvolle Kletterei und ohne Affen. Glücklicherweise begegneten wir auch keiner Schlange mehr. Kurzum: Es war eine Tour, ganz nach unserem Geschmack. Ein besseres Finale hätten wir uns für unsere gemeinsame Zeit nicht wünschen können. Martin fliegt am 29. November zurück nach Deutschland. Ich mache mich drei Tage später auf den Weg nach Australien.