„Da ist nichts“, murmele ich, lege die Stirn in Falten und starre in die Wand aus Blättern. Seit gefühlten fünf Minuten versuche ich einen Stirnlappenbasilisken zu entdecken. Allerdings ist dieser grün. Die Blätter sind es auch. Und so scannen meine Augen verzweifelt jeden Quadratzentimeter des sich vor mir auftürmenden Regenwaldes. Die Kamera liegt „schussbereit“ in meinem Schoß. Doch vorerst komme ich nicht dazu, den Auslöser zu drücken.

Drei Tage lang war ich im Tortuguero-Nationalpark, einem Schutzgebiet der Größe Hamburgs, unterwegs. Der Park lässt sich nur mit dem Flugzeug oder auf dem Wasserweg erreichen und bietet Lebensraum für viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten, darunter einige bedrohte Spezies. Auf einem kleinen Boot fuhr ich tief in den Regenwald hinein. Nicht alleine. Denn erstens lauern einige Gefahren im Dickicht – etwa Krokodile, und giftige Spinnen – und zweitens ist man ohne ein geschultes Auge ziemlich verloren. Zwar leben im Regenwald Tiere aller Größe, allerdings sind diese Meister der Tarnung. Bis heute ist es mir ein Rätsel wie Dago, mein ortsansässiger Guide, über hunderte Meter Entfernung winzige Kreaturen entdecken konnte, das Boot wendete und mich so nah wie möglich heranbrachte. „Die Übung macht den Meister“, antwortete der 26-Jährige auf meine ungläubige Frage und ergänzte: „Ich bin hier aufgewachsen. Sei mir nicht böse, aber im Dschungel seid ihr Europäer blind.“ Recht hat er, der Dago.

Immerhin schärfte sich der Blick im Verlauf der Stunden. Aus „vollblind“ wurde sozusagen „halbblind“. Und – in Zusammenarbeit mit Dago – gelang es mir dann tatsächlich, dass eine oder andere Tier vor die Linse zu bekommen. Ich ziehe an dieser Stelle meinen Hut vor den Spezialisten der Naturfotografie. Neben einer gewichtigen Ausrüstung sind eine Engelsgeduld und eine ruhige Hand unverzichtbar.

Die Zeit im Nationalpark war lehr- und aufschlussreich. Einmal mehr habe ich viel über die Rolle des Menschen auf dem Planeten, bzw. den Umgang der Erdbürger mit diesem nachgedacht. Wie kann es sein, dass vielerorts Regenwälder wie dieser abgeholzt werden? Auch einige Bereiche des Tortuguero-Waldes fielen in der Vergangenheit der Geldgier zum Opfer. Seit 1975 ist das Gebiet geschützt, die Natur hat sich erholt. „Wir brauchen weltweit vielmehr Gebiete wie dieses“, sagte Dago.1/3 der costa-ricanischen Staatsfläche stünden unter Naturschutz. „Wenn das in jedem Land so sein würde, dann würde es dem Planeten besser gehen.“ Wieder hat er recht, der Dago.