Mit dem Beginn des zweiten Reiseabschnittes möchte ich eine mehrteilige Serie einführen: Regelmäßig werde ich Personen vorstellen, die mir auf meiner Tour begegnet sind und die mich mit ihrer (Lebens)Geschichte fasziniert haben. Den Anfang macht Peter, den ich in Lancelin, rund 150 Kilometer nördlich von Perth, kennengelernt habe.

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Peter aus Zug (Schweiz).

Peter aus Zug (Schweiz).

Die Fahne weht straff im Wind, während sich ein Surfer mit hoher Geschwindigkeit dem Ufer nähert. Gekonnt schlägt er kurz vor dem Strand einen Haken, nimmt das Segel aus dem Wind, steigt vom Brett und betritt den festen Boden. „Hart heute, was?“, frage ich ihn und denke die Antwort zu kennen. Doch ich irre. „Ach, das ist doch noch gar nichts. Das sind ja grad mal 17 Knoten Windgeschwindigkeit“, erwidert der Herr mittleren Alters. So kommen wir ins Gespräch.

Peter ist 60 Jahre alt und kommt aus der Schweiz. Vor 25 Jahren reiste er das erste Mal nach Australien – die Westküste reizte ihn sofort. „Hier ist es noch ursprünglicher, als etwa im Osten. Denn es sind nicht so viele Touristen unterwegs.“ Anfangs verbrachte Peter (nur) seinen Urlaub „down under“, nicht mehr als ein paar Wochen im Jahr. Nach und nach zog es den selbstständigen Fenstermonteur immer häufiger und länger auf den fünften Kontinent. Das Wind- und Kitesurfen hatten sich mittlerweile zu einem ambitionierten Hobby entwickelt. „Daheim war ich nur segeln. Aber hier sind die Bedingungen zum Surfen unglaublich gut. Da musste ich einfach damit anfangen.“

Vor zehn Jahren sprang Peter dem Tod nur knapp von der Schippe. „Ich war in der Schweiz auf dem Wasser unterwegs, als ich ohnmächtig wurde.“ Ein Aneurysma war geplatzt. Eine Notoperation rettete sein Leben. „Wenige Monate später wurde mein Schädel nochmals aufgeschnitten, denn sie hatten eine weitere Aussackung gefunden.“

Heute zeugt nur noch eine Narbe vom Fast-Ende des gut trainierten 60-Jährigen. Auf die Lebenseinstellung von Peter hatte der Vorfall allerdings großen Einfluss: „Ich war vorher und auch danach immer kerngesund. Diese Nahtoderfahrung hat mir gezeigt, wie wertvoll das Leben ist und wie schnell es zu Ende sein kann.“ Mittlerweile verbringt Peter den gesamten Winter in Australien, aus dem operativen Geschäft seiner Firma hat er sich vor einem Jahr zurückgezogen. Stattdessen ist er nun viel öfter an der frischen Luft – täglich steht Peter auf dem Surfbrett. „Wenn man nichts tut, dann verfault man. Es ist abschreckend, wie sehr sich einige meiner Altergenossen gehen lassen. Man hat nur einen Körper und den sollte man in Schuss halten.“ Fleiß und Entbehrungen würden genauso dazugehören, wie ein Gespür für die körpereigenen Signale.

Die Westküste ist ein Paradies für Surfer.

Die Westküste ist ein Paradies für Surfer.