Neue Serie: Begegnungen, Teil I

Dez 07, 2014
Torsten

Mit dem Beginn des zweiten Reiseabschnittes möchte ich eine mehrteilige Serie einführen: Regelmäßig werde ich Personen vorstellen, die mir auf meiner Tour begegnet sind und die mich mit ihrer (Lebens)Geschichte fasziniert haben. Den Anfang macht Peter, den ich in Lancelin, rund 150 Kilometer nördlich von Perth, kennengelernt habe.

Peter aus Zug (Schweiz).

Peter aus Zug (Schweiz).

Die Fahne weht straff im Wind, während sich ein Surfer mit hoher Geschwindigkeit dem Ufer nähert. Gekonnt schlägt er kurz vor dem Strand einen Haken, nimmt das Segel aus dem Wind, steigt vom Brett und betritt den festen Boden. „Hart heute, was?“, frage ich ihn und denke die Antwort zu kennen. Doch ich irre. „Ach, das ist doch noch gar nichts. Das sind ja grad mal 17 Knoten Windgeschwindigkeit“, erwidert der Herr mittleren Alters. So kommen wir ins Gespräch.

Peter ist 60 Jahre alt und kommt aus der Schweiz. Vor 25 Jahren reiste er das erste Mal nach Australien – die Westküste reizte ihn sofort. „Hier ist es noch ursprünglicher, als etwa im Osten. Denn es sind nicht so viele Touristen unterwegs.“ Anfangs verbrachte Peter (nur) seinen Urlaub „down under“, nicht mehr als ein paar Wochen im Jahr. Nach und nach zog es den selbstständigen Fenstermonteur immer häufiger und länger auf den fünften Kontinent. Das Wind- und Kitesurfen hatten sich mittlerweile zu einem ambitionierten Hobby entwickelt. „Daheim war ich nur segeln. Aber hier sind die Bedingungen zum Surfen unglaublich gut. Da musste ich einfach damit anfangen.“

Vor zehn Jahren sprang Peter dem Tod nur knapp von der Schippe. „Ich war in der Schweiz auf dem Wasser unterwegs, als ich ohnmächtig wurde.“ Ein Aneurysma war geplatzt. Eine Notoperation rettete sein Leben. „Wenige Monate später wurde mein Schädel nochmals aufgeschnitten, denn sie hatten eine weitere Aussackung gefunden.“

Heute zeugt nur noch eine Narbe vom Fast-Ende des gut trainierten 60-Jährigen. Auf die Lebenseinstellung von Peter hatte der Vorfall allerdings großen Einfluss: „Ich war vorher und auch danach immer kerngesund. Diese Nahtoderfahrung hat mir gezeigt, wie wertvoll das Leben ist und wie schnell es zu Ende sein kann.“ Mittlerweile verbringt Peter den gesamten Winter in Australien, aus dem operativen Geschäft seiner Firma hat er sich vor einem Jahr zurückgezogen. Stattdessen ist er nun viel öfter an der frischen Luft – täglich steht Peter auf dem Surfbrett. „Wenn man nichts tut, dann verfault man. Es ist abschreckend, wie sehr sich einige meiner Altergenossen gehen lassen. Man hat nur einen Körper und den sollte man in Schuss halten.“ Fleiß und Entbehrungen würden genauso dazugehören, wie ein Gespür für die körpereigenen Signale.

Die Westküste ist ein Paradies für Surfer.

Die Westküste ist ein Paradies für Surfer.

4 Comments. Leave new

Hallo Torsten,
einen Gruß von Berlin nach Australien zu senden ist schon eine super schöne Vorstellung. Dank auch für Deinen tollen Südafrikaabschlussbericht und Deine ganz persönlichen praktischen Empfehlungen, die Du nachfolgenden Reisenden gibst. Solche Tipps sind echt wertvoll. Sicher ist Dir der Abschied von Deinem Begleiter Martin schwer gefallen und Du musstest Dich erst wieder auf das Alleinsein und dazu noch auf einen neuen Kontinent einstellen. Aber das hast Du schon geschafft, denn es geht rasant weiter! Deine neue Rubrik “Begegnungen”, die Du geschaffen hast, finde ich eine sehr gute Idee. Deine Begegnung mit dem Surfer Peter und sein persönliches Schicksal und seine Lebenseinstellung fand ich zwar beeindruckend, trotzdem ist er für mich eher ein “Luxus-Aussteiger”, der als Schweizer im Angesicht des Todes seine Träume noch verwirklichen kann. Aber wer kann das schon? Mich würden eher Begenungen mit Einheimischen, mit Kindern, jungen und alten Australien interessieren und von deren alltäglichen Nöten und Ängsten erfahren. Wie leben sie, wie unterscheiden sich ihre Nöte von unseren “Luxus-Nöten”? Aber sicher triffst Du noch viele Australier, die Dich mit ihren persönlichen Geschichten ebenso tief beeindrucken werden. Von der Natur ganz zu schweigen…
Alles Liebe und weiterhin gute Entscheidungen bei der Planung Deiner Australienroute, pass auf Dich auf und mach weiter so! Danke, dass wir Dich verfolgen dürfen und die traumhaften Fotos gienießen dürfen.
Viele Grüße von Deinen 2 Berliner Jungs, MoKl.

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Hallo nach Berlin!
Vielen Dank für die lieben Wünsche, es freut mich sehr, dass ihr der Tour so aufmerksam folgt! :-)
Im Bezug auf Peter hast du natürlich recht… Aber sei dir sicher, dass da noch ganz andere „Typen“ auftauchen werden. Einiges habe ich schon im Notizblock, anderes wird sich (bestimmt) noch ergeben. Der nächste Kandidat im Rahmen der Serie wird ein waschechter Australier. Versprochen!
Liebe Grüße aus dem sommerlichen Kalbarri und bis bald.
Euer Torsten

(PS. Wie ich schon beim Namibia-Fazit erwähnt habe, „verbrate“ ich im Rahmen der Onlineberichterstattung nicht alle Informationen, die ich unterwegs sammle. Einige Dinge (auch interessante Gespräche) behalte ich (noch) in der Hinterhand ;-) )

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Hey Torsten,

dein letzter Satz klingt ja irgendwie als ob man sich auf ein Büchlein freuen dürfte ;-)
Wär doch was!?! Oder ist das zu viel Spekulation…

Grüße,
Norman

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Klingt das so? Na, mal sehen… Spekulationen sind ausdrücklich erwünscht! ;-)

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