Wer reist, der erlebt. Wer erlebt, der macht Erfahrungen – gute, wie schlechte. Mehrfach wurde ich nach Tipps gefragt, mit denen sich unangenehme Situationen vermeiden lassen. Auch wenn ich natürlich kein allwissender Experte bin, möchte ich diesem Wunsch nach Informationen gerne nachkommen: Immer mal wieder werde ich zukünftig Hinweise einfließen lassen. Diese Tipps verstehen sich als ganz persönliche Auswahl und basieren auf meinen Erfahrungen. Eine allgemeine Erkenntnis veranschauliche ich dabei mit einem erlebten Beispiel.


1. Packsystem überlegen: Um die Such- und Packzeit zu verkürzen, habe ich mir über die Jahre ein „Tütenpacksystem“ zurechtgelegt. Am besten funktioniert es mit markanten Aufdrucken oder Farben. Beispielsweise steht dann jede Farbe für einen bestimmten Inhalt: grüne Tüte = T-Shirts, blau = Regensachen, schwarz = Schmutzwäsche usw. Elektronische Geräte kommen darüber hinaus in wasserdichte Packsäcke.

In Namibia zog eines Abends ein Sturm auf – es wurde ziemlich schnell sehr ungemütlich. Ich kroch im Halbdunkeln aus dem Zelt und war sehr froh, dass ich den Beutel mit dem Tape (zum Umwickeln der Zeltstangen) gut erkennen konnte und damit schnell zur Hand hatte. Denn mit jeder Minute, die ich länger gebraucht hätte, wären die Bedingungen schlechter und die Belastungen für das Material größer geworden.

(Fast) Vollständig: Maximal 30 Kilogramm Ausrüstung nehme ich mit auf die Reise.

Umso umfangreicher das Reisegepäck ist, umso wichtiger ist es, den Überblick zu behalten.

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2. Beobachten: Auf Reisen (und nicht nur dann) ist es von großem Vorteil, aufmerksam zu beobachten. Das gilt für verschiedenste Bereiche, etwa beim Wetter und natürlich dem Verhalten von Menschen. Ziel sollte es sein, ein Gespür für die Situation/ die Gegend zu bekommen. Wer gut beobachtet, kann vielen Problemen aus dem Weg gehen.

In Tasmanien beobachte ich, besonders auf meiner Radtour, aufmerksam die Witterung. Auf der 6. Etappe kam mir das zu Gute: Am frühen Morgen interpretierte ich die Wolken und zog meinen Start um zwei Stunden vor. Das ersparte mir viel Leid – als der Starkregen später einsetzte, hatte ich bereits 60 der 76 Kilometer bewältigt.

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Schnell versorgt - Desinfektionsspray und ein Pflaster hatte ich schnell parat.

Schnell versorgt – Desinfektionsspray und Verbandsmaterial habe ich immer griffbereit. (Hier bei Port Gregory, Westaustralien)

3. Verbandsmaterial griffbereit haben: Die Erste-Hilfe-Ausrüstung sollte obenauf liegen. Im Falle eines Falles kann es wertvolle Zeit und Nerven kosten, wenn man erst sein gesamtes Gepäck durchkramen muss, um das benötigte Material zu erreichen. In diesem Sinne bietet es sich auch an, das Notfallset (Pflaster, sterile Handschuhe, Kompressen…) von der restlichen Reiseapotheke zu trennen. Wer eine klaffende Wunde hat, der möchte sich nicht erst durch einen Stapel von Magentropfen und Schmerztabletten wühlen müssen.

In Westaustralien bin ich beim Fotografieren knietief in eine Salzkruste eingebrochen. Unter dem Salz war Schlamm. Meine Beine – und durch die „Befreiungsaktion“ auch meine Hände – waren dreckig, mein rechtes Schienbein dazu blutig. Ich war sehr froh, dass ich die richtige Ausrüstung mit wenigen Handgriffen parat hatte.

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4. Mit der Reiseapotheke vertraut machen: Die Inhalte einer Reiseapotheke sollten gut überlegt und am besten mit einem Arzt/ Reisemediziner abgesprochen sein. Es gilt: Gut beraten ist derjenige, der sich mit den mitgeführten Medikamenten im Vorfeld vertraut macht. Denn wenn die Arzneien zum Einsatz kommen, ist man augenscheinlich nicht in bester Verfassung. Deswegen habe ich mir eine Tabelle geschrieben, in der alle Mittel meiner Reiseapotheke mit ihren Verwendungszwecken und Nebenwirkungen aufgelistet sind. Einmal angelegt, profitiert man auf allen kommenden Reisen davon.

Glücklicherweise habe ich der Vergangenheit nur selten auf meine Reiseapotheke zurückgreifen müssen. Einmal, 2009 in Peru, lag ich von heute auf morgen mit einer schweren Erkältung flach. Da war ich heilfroh, als ich nicht mehr viel nachdenken musste, sondern meine Symptome mit der Tabelle abglich und das richtige Medikament schnell zur Hand hatte.

Notfallset, Reiseapotheke und Waschtasche.

Notfallset, Reiseapotheke und Waschtasche.

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5. Die Rückkehr vorbereiten: Es mag merkwürdig klingen, aber nach einer (langen) Reise ist die Rückkehr in die Heimat ein (emotional) anspruchsvoller Prozess. Während man unterwegs ständig neue Dinge gesehen hat und sich Herausforderungen stellen musste, erwartet einen zu Hause ein bestens vertrautes – und nahezu unverändertes – Bild. Körper und Geist benötigen Zeit, um sich auf die altbekannte, aber dennoch so ungewohnte, weil „statische“, Situation einzustellen. Wer sich nicht schon vor der Rückkehr Ziele setzt und Aufgaben stellt, der läuft Gefahr, nach Wiederankunft in ein „emotionales“ Loch zu fallen.

Die Frage, wie es nach der Reise weitergeht, beschäftigt mich spätestens seit Dezember 2014. Seitdem habe ich bereits einige Projekte in die Wege geleitet, welche mich herausfordern werden – und auf die ich mich freue.


 *** Meine Hinweise richten sich primär an Reisende, die außerhalb ‚umsorgter Hotelanlagen‘ unterwegs sind und die auf ihrem Weg (zumindest phasenweise) auf sich alleine gestellt sind.