Bis drei Meter unter dem Gipfel deutete nichts auf die anstehende Überraschung hin. Mit jedem Schritt kam ich dem ersehnten Aussichtspunkt näher, die kleine Kletterpassage am Ende war genau nach meinem Geschmack. Dann hielt ich inne. Ich hatte hier – am Rande des Fish-River-Canyons – mit wilden Tieren gerechnet. Aber nicht mit Menschen. Umso stärker wird sich die folgende Szene in mein Gedächtnis einbrennen: Verschwitzt und mit der Kameraausrüstung auf meinem Rücken erreichte ich den Gipfel. Oben angekommen traf ich auf sieben gut gekleidete Menschen mit Weingläsern in der Hand. Ich weiß nicht, bei wem die Verwunderung größer war. Einer Phase des Anstarrens folgte die Aufklärung. Ich erklärte, dass ich nicht verrückt sei und den Aufstieg über den „impossible way“ gar nicht so schlimm fand. Sie erklärten, dass auf der anderen Seite des Berges eine Lodge steht und sie sich grad zum Sundowner hier oben getroffen hätten. Über einen einfachen Weg mit Treppen.

Es war der merkwürdige Abschluss eines Tages, der mit spannender Kletterei begann, dann aber sehr monoton verlief: Über mehrere hundert Kilometer durchquerte ich die Kalahari. Diese Halbwüste gilt als eine der größten zusammenhängenden Sandflächen der Welt und forderte mich mit böigen Seitenwinden heraus. Vor allem auf den Schotterstraßen war höchste Konzentration gefragt. Mehr als 80 km/h waren nicht drin. Ab 90 fühlte es sich derart schwammig an, dass man Angst haben musste, die Kontrolle zu verlieren.

Wer hier die Konzentration verliert, der findet sich schnell neben der Straße wieder.

Wer hier die Konzentration verliert findet sich schnell neben der Straße wieder.

Die unerwartete Begegnung führte dazu, dass ich die kommende Nacht in der Canyon Lodge verbringe. Kostenfrei. Mit Einladung zum Abendessen. Wie es der Zufall so wollte, gehörte dem erlesenen Grüppchen auch der Manager der Edelunterkunft an. Wir kamen ins Gespräch und er lud mich ein. Da ich mich auf eine Zeltnacht eingestellt hatte, musste ich mich an das schicke Ambiente erst gewöhnen. Bereut habe ich es aber nicht: Einige interessante Gespräche sind bereits im Notizblock verewigt. Demnächst werde ich einen Beitrag zum Thema: „Luxus in der Wildnis“ schreiben. Nun gibt’s aber erstmal Abendessen. Ich werde meine feinste Reisekleidung anlegen und mich frisch geduscht in den rustikal dekorierten Speisesaal stürzen. Wer hätte das gedacht. Ich jedenfalls nicht!

Übrigens: Ich bin über den „impossble way“ auch wieder abgestiegen… 😉

(Anmerkung: Das Internet ist hier sehr langsam. Mittlerweile war ich schon essen und es war sehr lecker.)